Gender and Iconography – from the Viewpoint of a Feminist Biblical Scholar
Abstract
Texte und Bilder sind verschiedene Medien mit je eigener Agenda, weshalb sie über dieselben Gestalten, Institutionen etc. nicht dieselben Aussagen treffen (können). Der Beitrag zeigt dies an Beispielen der verschiedenartigen Beziehungen zwischen biblischen Texten und den Bildern aus Palästina/Israel und seinen Nachbarkulturen. Bilder können, wo die biblischen Texte ganze Sphären der religiösen Wirklichkeit ausblenden (Beispiel Göttinnenverehrung), die fehlenden Informationen liefern, so dass eine Rekonstruktion von Religionsgeschichte möglich wird. Umgekehrt können biblische Texte (Beispiel Mobilität von Frauen) Licht auf Frauenleben im Alten Israel werfen, das aufgrund der ikonographischen Stereotypen überhaupt nicht erschließbar wäre. Biblische Texte und Bilder können auch in komplexer Weise konvergieren, wenn beispielsweise in den Prophetenbüchern die öffentliche Klage der Frauen über den Untergang einer Stadt in ähnlicher Weise zur Drohbotschaft für die verantwortlichen Männer wird wie auf assyrischen Reliefs. Feministische Exegese und genderbezogene Ikonographie profitieren in jedem Fall wechselseitig voneinander.